Leichen1
Die Höhe einer Kultur wird fast immer auch am Totenkult gemessen-an der Ehrfurcht,mit der man den sterblichen Überresten begegnet.-
Es wird bei den Archäologen geradezu die Menschwerdung gemessen an der Art der Bestattung.-
Die schamlose Art,mit der dagegen hier vorgegangen wird,würde uns einen drastischen kulturellen Niedergang bescheinigen,soweit dies für unsere Zeit kennzeichnend ist.-
Hier liegt nun allerdings eine Mischform vor zwischen Wissensvermittlung und gags.-
Für viele Menschen ist es einfach interessant,mal einen Menschen von innen zu sehen-die gags übersehen sie.-
Für mich persönlich wäre eine zu Anschauungszwecken entfaltete und gestückelte Leiche akzeptabel-die gaghafte Aufbereitung,die hier vorliegt,empfinde ich als ekelerregend und kulturlos.Gerade weil es erkennbar Kunst sein will,ist es so mies.-
Die alten Ägypter zogen das Gehirn der Mumien durch die Nase heraus-aber weil das eben letztlich im Glauben begründet war,hat dies nichts abstoßendes.-
Kennzeichnend für unsere Zeit ist dagegen,daß alles –aber auch alles-für Geld verwurstet wird.-
Ernst ist das Leben-heiter die Kunst.Das kann in der Regel nicht funktionieren mit Leichenteilen.Es fehlt die Distanz-die Abstraktion-
Das wörtlich-"weggezogen sein" von der Realität.-
Ein regelrechter Sturm-mit Tonband aufgenommen-in der 6.ten Sinfonie würde das Stück zerstören.Das ist nur imposant,solange man erkennt,daß der Sturm durchs Orchester produziert wird.-Bei einem richtigen Sturm müßte man dann auch noch in den Zuschauerraum regnen und Blitze einschlagen lassen.Das wäre eher das Gegenteil von Kunst.-
Ein rausgerissenes Stück realer Rasen kann es eben nicht mit Dürers Rasenstück aufnehmen-auch wenn man es blau tüncht.-
Mit dieser Art Kunstauffassung betrat so um 1900 endgütig der homo verblödetiensis die Bühne der Weltgeschichte.-
Christoph Schlobies
Diplom-Physiker
www.schlobies.de